Die Wichtigkeit der Messsystemqualifizierung

    Messsystemfähigkeit kann man nicht kaufen!

     

    Beispiel aus der Praxis:

    Ein Hersteller von Getriebekomponenten für PKW´s prüft seine Teile beim Einrichtprozess vor dem Schleifen auf einer 3-D-Messmaschine auf Rundlauf. Anhand der Messwerte werden die Parameter der Schleifmaschinen korrigiert, nochmals vermessen und bei passenden Messergebnissen der Serienprozess gestartet. Dennoch kam es vermehrt zu Ausfällen am Ende der Prozesskette wegen Rundlauffehlern. Nach einer Untersuchung des Messsystems stellte man fest, dass die verwendeten Spreizdorne zur Aufnahme der Prüflinge beschädigt und in Bezug auf die Messsystemeignung nicht fähig waren. Die Aufnahmen hatten selbst schon Rundlauffehler. Beim Einrichtprozess wurde also mehr oder weniger zufällig in eine bestimmte Richtung „korrigiert“.

     

    Maßnahme zur Fehlerbehebung:

    Die verwendeten Spreizdorne wurde durch ein 3-Backen-Futter ersetzt und die Messsystemfähigkeit über eine durchgeführte Messsystemanalyse Verfahren 1 bestätigt. Auch in allen weiteren Fertigungsbereichen wurden bei ähnlichen Prüfschritten die Messsysteme qualifiziert.

     

    Allgemein:

    Unter dem Begriff „Messsystem“ versteht man das Zusammenwirken von Messgerät, Kalibrierung, Messverfahren, dem Bedienpersonal, der Prozessanweisung, Software, Adaptierung, Umgebungsbedingungen, dem „Normal“ und weiteren anwendungsbezogenen Einflussgrößen.

    Jedoch selbst die Anschaffung eines neuen, hochmodernen Messgerätes  gibt keine Gewähr dafür, dass die damit ermittelten Messwerte die Eignung eines Produktes oder einer Dienstleistung gegenüber den Kundenanforderungen sicherstellt. Dies führt in der Praxis dazu, dass wir „gute Teile“ nacharbeiten oder sogar verschrotten und fehlerhafte Prozessergebnisse an den Kunden ausliefern. Das ist keine böse Absicht, aber das Ergebnis unfähiger Messsysteme.

    Der Industriekunde ist sich zum Teil selber nicht der unklaren Messbedingungen bewusst und macht daher schon in den Lieferantenverträgen keine speziellen Anmerkungen dazu, wie seine Produkte bewertet werden müssen.

     

    Nach welchen Vorgaben müssen Messsysteme z.B. in der Automobilindustrie qualifiziert werden?

    Über die letzten Jahre sind in verschiedenen Unternehmen und Konzernen der Automobilindustrie unterschiedliche Richtlinien, Vorgehensweisen und Handlungsanweisungen für die Qualifizierung von Messsystemen entstanden. Basis sind immer statistische Methoden zur Abschätzung der Streuung zur Eignung eines Messsystems für die angestrebte Prüfaufgabe. Die QS 9000 (1994 geschaffen von General Motors, Chrysler und Ford) wurde schon Ende 2006 vom Ersteller (der amerikanischen AIAG, Automotive Industry Action Group) aus Gründen der Harmonisierung der Anforderungen der Automobilindustrie zurückgezogen und von der IATF (International Automotive Task Force) durch die ISO 9001 und die ISO/TS 16949 ersetzt. Darin ist zwar zu lesen, dass Messsysteme grundsätzlich qualifiziert werden müssen, aber wie genau und nach welchen Regeln ist hier nicht zu finden. Es wird auf die Referenzhandbücher des Kunden verwiesen.

    Aus dieser allgemeinen Unsicherheit heraus forderten die Automobilhersteller deren Lieferanten auf, in den eigenen Verbänden Qualitätsstandards und Zertifizierungskriterien zu entwickeln. Daraus ist in Deutschland der VDA mit den entsprechenden Richtlinien entstanden. Eigentlich wollte man dabei auch einheitliche Standards für die statistischen Anforderungen regeln. Das ist aber bis heute nicht gelungen. So blieb aus dieser Not heraus das Zusatzdokument MSA (1, 2, 3, und 4) der QS 9000 als Empfehlung innerhalb der AIAG-Core-Tools bestehen und auch die VDA-Bände (ebenfalls nur Leitlinien) wurden weiter entwickelt. Anbieter von Statistik-Software haben auf diese Situation reagiert und ermöglichen es dem Bediener verschiedene Konzern-Richtlinien frei zu wählen und im Anschluss daran die passende Analysemethode für den Endkunden anzuwenden. Bei Teilen mit Mehrfachverwendung kann eine Aufsplittung der Artikelnummer erforderlich werden.

    Man darf gespannt sein, was sich in den nächsten Jahren als Standard in der Automobilindustrie durchsetzen wird!

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